Unabhängige Publikationen zum Jahresende
Zum Ende des Jahres, und damit pünklich zum 3. Hamburger Comicfestival, sind im Umfeld der Armgartstrasse eine ganze Reihe von Comicpublikationen erschienen, denen gemein ist, dass ihre Produktion auf Selbstorganisation beruht, also nicht von etablierten Verlagen initiiert ist.
Mamiverlag
Mit sage und schreibe vier Neuveröffentlichungen, und damit mehr als einer Verdopplung des bislang noch schmalen Verlagsprogramms, war der Mamiverlag zum Festival angereist. Wie auch immer man die ökonomische Zukunft des noch jungen Verlagsprojekts einschätzen will - die Produkte überzeugen auf ganzer Linie. Die neuen Bücher von Anke Feuchtenberger, Stefano Ricci, Julia Gordon (sh. Abbildung) und Birgit Weyhe changieren zwischen Narration und freier Grafik und setzen sich damit zwischen alle ästhetischen und marktrelevanten Stühle.
Wer indes Feuchtenbergers Wirken als Künstlerin wie als Professorin kennt, den wunderts nicht: ihre Position ist seit vielen Jahren umstritten, und sie wird es im konservativen deutschen Comicgeschäft wohl noch einige Zeit bleiben. Natürlich ist die Kontroverse hier ein Gütesiegel: streiten mag man sich ja nur um Positionen von Relevanz. Der Mamiverlag, geführt von Feuchtenberger und Ricci, bringt also Arbeiten der Verlagschefs sowie Debuts junger, unbekannter Zeichnerinnen in wunderschöner Aufmachung und zu verblüffend niedrigen Preisen.
PlusPlus + Aua Aua
Das Comicmagazin PlusPlus könnte man eigentlich der Fanzineszene zurechnen: die Anthologie ist von Zeichnern organisiert und finanziert, es gibt keinen Verlag im Hintergrund, auch keine Anbindung etwa an einen Hochschulkurs, und niemand der Initiatoren wird bei diesem Projekt Geld verdienen. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht: einerseits fällt die vierte Ausgabe der deutsch-schweizerischen Kooperation als makellos produzierter Offsetprint mit Klebebindung und ISBN-Nummer eindeutig nicht mehr in die Kategorie Fanzine. Andererseits gibt es eine Vernetzung mit der Edition Moderne, in deren Folge PlusPlus #4 jetzt im Programm des Züricher Verlags auftaucht und von dessen Vertriebsstruktur profitieren kann. Man möchte hierzu gerne gratulieren, gleichwohl verbreitet das Produkt selbst nur wenig Aufbruchsstimmung. War PlusPlus #3 im Verhältnis zu den vorangegangenen Nummern noch eine echte Überraschung, so hat man nun den Eindruck, dass die Zeichner und Zeichnerinnen des Magazins Angst haben, das Niveau ihrer preisgekrönten dritten Ausgabe wesentlich zu überbieten. Positiv fallen gleichwohl Arbeiten Einzelner ins Auge, etwa die sehr schön gestalteten Seiten des Berliner Zeichners Paul Paetzel.
Anders verhält es sich mit dem von Ludmilla Bartscht und Simon Schwartz organisierten kleinformatigen Buch Aua! Aua! Heiss! Heiss!, das voller Überraschungen und unerwarteter Auftritte steckt. Das mit Ringbuchbindung versehene, farbige Kleinod ist zwar irgendwo auf halbem Weg zwischen Trashästhetik und Edelproduktion steckengeblieben, dennoch zeugen die vertretenen Arbeiten vom hohen Standard der Produktion an der Hamburger Armgartstrasse. Ganz besonders lustig und anspruchsvoll gestaltet sind die Geschichten von Maren Amini (sh. Abbildung) und Marlene Krause.
OHA und BAI #4
Auch dem Selbstverständnis nach ein Fanzine ist das Heft OHA von Haina. Vielleicht erinnern sich noch manche Leser aus Hamburg: bis vor einigen Jahren hatte der Musiker und Zeichner Haina ein (fast) monatlich erscheinendes Heft in kleiner Auflage herausgegeben, nämlich OH-HA!. Das neue Fanzine mit dem recht ähnlichen Namen ist jetzt also die offizielle Nachfolgepublikation, kommt allerdings im Gegensatz zum Vorgänger ganz in Farbe und ohne redaktionellen Teil. Besonders schön ist, dass Haina in der Erstausgabe der neuen Reihe nicht in erster Linie auf die altbekannten Protagonisten der Hamburger Fanzineszene zurückgreift, sondern auch bislang unbekannte Zeichner zur Mitarbeit bewegen konnte. Im Ergebnis überzeugt das vielleicht nicht auf ganzer Strecke, macht aber Lust auf mehr (vor allem mehr von Herrn Pumpernickel von den Biologisch Abbaubaren Illusionen und von Herrn Tenten, bitte).
Die vierte Ausgabe des Fanzines Biologisch Abbaubare Illusionen ist ebenfalls erschienen (sh. Abbildung) und wieder voller Miniaturen rund um Sinnfrage, Natur und Mensch, Kreatur und Hund.
Ein süsser Brei
Wer sich in Hamburgs Comicszene ein wenig auskennt, wird nicht viel Mühe haben zu erkennen, dass die hier genannten Projekte, zumal durch personelle Überschneidungen, mit Projekten wie Orang, Spring oder Two Fast Colour in einem Vernetzungszusammenhang stehen. Gemessen an der Enge der Hansestadt ist die Verflechtung vielleicht gar nicht besonders hoch, auf jeden Fall aber ist das kulturelle Leben der Stadt von feinstem Comicfilz durchwirkt. Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Publikationen und Initiativen unter diesen Bedingungen auch langfristig bestehen können.
Die genannten Publikationen in alphabetischer Ordnung:
Aua! Aua! Heiss! Heiss!
mit Beiträgen von Maren Amini, Theresa Lettner, Marlene Krause, Judith Mall, Anne Vagt, Ludmilla Bartscht, Oliver Grajewski, Julia Marti, Simon Schwartz, Jan Pisarski und Johanna Creutzburg
96 Seiten, 4-farbig, 8 Euro
kein Verlag, Bestellung über Email
Biologisch Abbaubare Illusionen #4
mit Beiträgen der Biologisch Abbaubaren Illusionen
32 Seiten, schwarz-weiss, 3 Euro
kein Verlag, Bestellung über Email
CandieColouredClown
von Jul Gordon
184 Seiten, schwarz-weiss, 12 Euro
Mamiverlag 2008, Bestellung über Webseite
Ich weiss
von Birgit Weyhe
184 Seiten, schwarz-weiss, 17 Euro
Mamiverlag 2008, Bestellung über Webseite
OHA #1
mit Beiträgen von Allfred Pumpernickel, Tenten, Alice Socal, Moki, Haina u.a.
32 Seiten, 4-farbig, 3.90 Euro
kein Verlag, Bestellung über Email
PlusPlus #4
mit Beiträgen von Ludmilla Bartscht, Andreas Bertschi, Kati Rickenbach, Julia Marti, Talaya Schmid, Milva Stutz, Konrad Beck, Christina Gransow, Anete Melece, Paul Paetzel
196 Seiten, schwarz-weiss, 12 Euro
kein Verlag, Bestellung über Email
RadioRicci
von Stefano Ricci
32 Seiten, 4-farbig, 10 Euro
Mamiverlag 2008, Bestellung über Webseite
wehwehwehsupertraene.de/lacrimella.de
von Anke Feuchtenberger
48 Seiten, 4-farbig, 15 Euro
Mamiverlag 2008, Bestellung über Webseite

Mamiverlag
Mit sage und schreibe vier Neuveröffentlichungen, und damit mehr als einer Verdopplung des bislang noch schmalen Verlagsprogramms, war der Mamiverlag zum Festival angereist. Wie auch immer man die ökonomische Zukunft des noch jungen Verlagsprojekts einschätzen will - die Produkte überzeugen auf ganzer Linie. Die neuen Bücher von Anke Feuchtenberger, Stefano Ricci, Julia Gordon (sh. Abbildung) und Birgit Weyhe changieren zwischen Narration und freier Grafik und setzen sich damit zwischen alle ästhetischen und marktrelevanten Stühle.
Wer indes Feuchtenbergers Wirken als Künstlerin wie als Professorin kennt, den wunderts nicht: ihre Position ist seit vielen Jahren umstritten, und sie wird es im konservativen deutschen Comicgeschäft wohl noch einige Zeit bleiben. Natürlich ist die Kontroverse hier ein Gütesiegel: streiten mag man sich ja nur um Positionen von Relevanz. Der Mamiverlag, geführt von Feuchtenberger und Ricci, bringt also Arbeiten der Verlagschefs sowie Debuts junger, unbekannter Zeichnerinnen in wunderschöner Aufmachung und zu verblüffend niedrigen Preisen.PlusPlus + Aua Aua
Das Comicmagazin PlusPlus könnte man eigentlich der Fanzineszene zurechnen: die Anthologie ist von Zeichnern organisiert und finanziert, es gibt keinen Verlag im Hintergrund, auch keine Anbindung etwa an einen Hochschulkurs, und niemand der Initiatoren wird bei diesem Projekt Geld verdienen. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht: einerseits fällt die vierte Ausgabe der deutsch-schweizerischen Kooperation als makellos produzierter Offsetprint mit Klebebindung und ISBN-Nummer eindeutig nicht mehr in die Kategorie Fanzine. Andererseits gibt es eine Vernetzung mit der Edition Moderne, in deren Folge PlusPlus #4 jetzt im Programm des Züricher Verlags auftaucht und von dessen Vertriebsstruktur profitieren kann. Man möchte hierzu gerne gratulieren, gleichwohl verbreitet das Produkt selbst nur wenig Aufbruchsstimmung. War PlusPlus #3 im Verhältnis zu den vorangegangenen Nummern noch eine echte Überraschung, so hat man nun den Eindruck, dass die Zeichner und Zeichnerinnen des Magazins Angst haben, das Niveau ihrer preisgekrönten dritten Ausgabe wesentlich zu überbieten. Positiv fallen gleichwohl Arbeiten Einzelner ins Auge, etwa die sehr schön gestalteten Seiten des Berliner Zeichners Paul Paetzel.
Anders verhält es sich mit dem von Ludmilla Bartscht und Simon Schwartz organisierten kleinformatigen Buch Aua! Aua! Heiss! Heiss!, das voller Überraschungen und unerwarteter Auftritte steckt. Das mit Ringbuchbindung versehene, farbige Kleinod ist zwar irgendwo auf halbem Weg zwischen Trashästhetik und Edelproduktion steckengeblieben, dennoch zeugen die vertretenen Arbeiten vom hohen Standard der Produktion an der Hamburger Armgartstrasse. Ganz besonders lustig und anspruchsvoll gestaltet sind die Geschichten von Maren Amini (sh. Abbildung) und Marlene Krause.OHA und BAI #4
Auch dem Selbstverständnis nach ein Fanzine ist das Heft OHA von Haina. Vielleicht erinnern sich noch manche Leser aus Hamburg: bis vor einigen Jahren hatte der Musiker und Zeichner Haina ein (fast) monatlich erscheinendes Heft in kleiner Auflage herausgegeben, nämlich OH-HA!. Das neue Fanzine mit dem recht ähnlichen Namen ist jetzt also die offizielle Nachfolgepublikation, kommt allerdings im Gegensatz zum Vorgänger ganz in Farbe und ohne redaktionellen Teil. Besonders schön ist, dass Haina in der Erstausgabe der neuen Reihe nicht in erster Linie auf die altbekannten Protagonisten der Hamburger Fanzineszene zurückgreift, sondern auch bislang unbekannte Zeichner zur Mitarbeit bewegen konnte. Im Ergebnis überzeugt das vielleicht nicht auf ganzer Strecke, macht aber Lust auf mehr (vor allem mehr von Herrn Pumpernickel von den Biologisch Abbaubaren Illusionen und von Herrn Tenten, bitte).
Die vierte Ausgabe des Fanzines Biologisch Abbaubare Illusionen ist ebenfalls erschienen (sh. Abbildung) und wieder voller Miniaturen rund um Sinnfrage, Natur und Mensch, Kreatur und Hund.Ein süsser Brei
Wer sich in Hamburgs Comicszene ein wenig auskennt, wird nicht viel Mühe haben zu erkennen, dass die hier genannten Projekte, zumal durch personelle Überschneidungen, mit Projekten wie Orang, Spring oder Two Fast Colour in einem Vernetzungszusammenhang stehen. Gemessen an der Enge der Hansestadt ist die Verflechtung vielleicht gar nicht besonders hoch, auf jeden Fall aber ist das kulturelle Leben der Stadt von feinstem Comicfilz durchwirkt. Die nächsten Jahre werden zeigen, welche Publikationen und Initiativen unter diesen Bedingungen auch langfristig bestehen können.
Die genannten Publikationen in alphabetischer Ordnung:
Aua! Aua! Heiss! Heiss!
mit Beiträgen von Maren Amini, Theresa Lettner, Marlene Krause, Judith Mall, Anne Vagt, Ludmilla Bartscht, Oliver Grajewski, Julia Marti, Simon Schwartz, Jan Pisarski und Johanna Creutzburg
96 Seiten, 4-farbig, 8 Euro
kein Verlag, Bestellung über Email
Biologisch Abbaubare Illusionen #4
mit Beiträgen der Biologisch Abbaubaren Illusionen
32 Seiten, schwarz-weiss, 3 Euro
kein Verlag, Bestellung über Email
CandieColouredClown
von Jul Gordon
184 Seiten, schwarz-weiss, 12 Euro
Mamiverlag 2008, Bestellung über Webseite
Ich weiss
von Birgit Weyhe
184 Seiten, schwarz-weiss, 17 Euro
Mamiverlag 2008, Bestellung über Webseite
OHA #1
mit Beiträgen von Allfred Pumpernickel, Tenten, Alice Socal, Moki, Haina u.a.
32 Seiten, 4-farbig, 3.90 Euro
kein Verlag, Bestellung über Email
PlusPlus #4
mit Beiträgen von Ludmilla Bartscht, Andreas Bertschi, Kati Rickenbach, Julia Marti, Talaya Schmid, Milva Stutz, Konrad Beck, Christina Gransow, Anete Melece, Paul Paetzel
196 Seiten, schwarz-weiss, 12 Euro
kein Verlag, Bestellung über Email
RadioRicci
von Stefano Ricci
32 Seiten, 4-farbig, 10 Euro
Mamiverlag 2008, Bestellung über Webseite
wehwehwehsupertraene.de/lacrimella.de
von Anke Feuchtenberger
48 Seiten, 4-farbig, 15 Euro
Mamiverlag 2008, Bestellung über Webseite
