Deutsche ComiczeitungenGleich zwei neue Comiczeitungen haben sich jüngst in Deutschland gegründet: das von Berliner Zeichnern ins Leben gerufene
Mamba, und das an der Hamburger Hochschule situierte
wirwaren2000. Letztere Zeitung ist Ergebnis eines Zeichenkurses unter der Regie von
Anke Feuchtenberger, und kann sich an seinem studentischen Zeichnerfundus gemessen mehr als sehen lassen; neben hervorragenden Zeichnungen von
Marijpol verblüffen vor allem die Verfolgungsgeschichten von
Martina Lenzin (Abb.unten: "
Gogo & Quasi" von Martina Lenzin. Die beiden Protagonisten sind zwar eigentlich ständig auf der Flucht, gönnen sich aber wie zu sehen ist auch mal eine Pause).


Die erste Ausgabe der Comiczeitung
Mamba wurde im Dezember als Beilage der
Wochenzeitung Jungle World ausgeliefert und konnte demnach ein vergleichsweise grösseres Publikum erreichen. Die Liste der Teilnehmenden Zeichner liesst sich wie ein Who-is-who der deutschen Independent-Comicszene; neben Zeichnern wie
Fil,
Andreas Michalke,
Jens Harder,
Ulli Lust und
Mawil finden sich hier auch Vertreter der jungen deutschen Szene, z.B.
Arne Bellstorf und
Leo Leowald. Leider kann das Endprodukt aber nicht so recht überzeugen; zu viele der Beiträge wirken etwas willkürlich nebeneinandergesetzt, man fragt sich welchen Sinn die Zusammenschau hat. Einzelne schöne Arbeiten wie zum Beispiel "
Letzte Worte", eine Kollaboration von
Christian Maiwald und
Laureline, können das nicht ganz auffangen.
Für die zweite Ausgabe ist eine stärkere Aufteilung in feststehende Rubriken geplant, was der Publikation mehr Stringenz geben könnte.
Kuti, Zeitung aus Finnland


In einer anderen Liga spielt die finnischen Comiczeitung
Kuti, von der soeben die zweite Ausgabe erschienen ist. Das von
Kutikuti betriebene Projekt zeigt die ganze Bandbreite der lebendigen, mittlerweile sehr ins Fahrwasser von
Fort Thunder,
Paperrad und ähnlichen Helden der nordamerikanischen Trashbewegung geratenen finnischen Independent-Szene. Die Zeitung erscheint 4mal jährlich, wird umsonst in den grösseren Städten Finnlands verteilt, und hat gemessen an der finnischen Bevölkerungszahl mit momentan 5000, bald aber schon 10000 zirkulierenden Kopien eine nicht unbeträchtliche Verbreitung.
"Es ist unsere Mission, den finnischen Lesern die von uns praktizierte, neue Art von Comics nahezubringen.", meint
Tommi Musturi, der auch die wunderschöne
Glömp-Anthologie editiert,
"Wir wollen ein regelmässiges, sichtbares Forum schaffen für junge Künstler aus Finnland, aber auch für Gäste aus anderen Ländern." Wenn man bedenkt dass die meisten in Kuti veröffentlichten Arbeiten sich mit ihrem avantgardistischen Verweigerungsgestus der Lektüre auch manch gestandener Comicexperten entziehen, scheint das ziemlich hoch gegriffen. Allerdings ist der Output der finnischen Szene derzeit so permanent und gewaltsam, dass die pessimistische Rechnung am Ende vielleicht nicht so leicht aufgeht.
(Hier gezeigte Abbildungen: Ausschnitt aus dem Kuti-Cover von
Benjamin Bergmann, darunter Bildzeile von
Aapo Rapi, darunter Bildzeile von
Tommi Musturi, unten ein Wolfsmensch der Kuti liesst)