24. Februar 2007

BilBOlbul in Bologna


Kurz vor dem diesjährigen Comix Festival Fumetto in Luzern (24. März bis 1. April) erwartet das europäische Comicpublikum ein weiteres viel versprechendes Festival mit internationaler (und inhaltlich ähnlicher) Ausrichtung: Vom 14.-18. März findet in Bologna das BilBOlbul - Festival Internazionale di fumetto statt. Neben Ausstellungen verschiedener Zeichner der aktuellen italienischen Comicszene (u.a. von dem Kollektiv Canicola) werden Arbeiten von Frederik Peeters, Rutu Modan, Aleksandar Zograf, Marko Turunen sowie Anke Feuchtenberger und Arne Bellstorf in Satellitenausstellungen über die ganze Stadt zu sehen sein. Das komplette Programm gibt es unter www.bilbolbul.net.

22. Februar 2007

Kultur & Gespenster - Was ist das?

Das neue "Kultur und Gespenster" sieht aus wie ein Wanderführer. Nicht ganz abwegig, denn das Magazin versteht sich als Wegweiser durch kulturelles Allgemein- und Spezialwissen.
"Sieht aus wie ein Wanderführer.", "Ich wusste nicht dass es sowas gibt.", "Sowas gibt es nicht!", "Was ist das?", so hören sich einige Reaktionen an auf die dicke, neue Ausgabe von Kultur und Gespenster. Unter der Überschrift "Wirklich wahr" gibt es sehr Verschiedenes zu entdecken, darunter einen Text über den Aktionskünstler Hans Imhoff, ein famoses Interview mit den Nautilus-Machern Hanna Mittelstädt und Lutz Schulenburg, Comics von Sascha Hommer und Leo Leowald, sehr schöne Zeichnungen von Henrik Hold, ein Reisebericht von Gabi Schaffner ... alles bunt gemischt.
Fragt man die Redaktion nach dem Konzept des Magazins, dann heisst es, man mache eine Publikation wie man sie bislang vermisst habe auf dem deutschen Markt, wie man endlich eine haben wollte, auch selbst lesen wolle.

Es ist klar: auch die Texte der dritten Ausgabe von "Kultur und Gespenster" sind nicht immer einfach, oft voraussetzungsreich, manchmal umständlich. Was man hier nicht finden kann ist der vorauseilende Gehorsam das zu verhindern, was einen Leser "stören" könnte. Eher drehen die Macher von Kultur und Gespenster den Spiess um: so viel Störung wie möglich. Zudem wird kaum berichtet über tagesaktuelle Themen: ein Magazin also für diejenigen, die schon ganz angeschissen sind vom Wiederkauen der immergleichen Sosse aus Bombardements, Grass, usw. Dafür werden hier Dinge zusammengebracht, die sonst immer fein säuberlich getrennt sind; Autoren mit bislang unbehandelten Themen, Comics mit Literaturwissenschaft, altehrwürdige Diskurse mit Egoshootern. Am Ende kann dabei herauskommen, was weder der "Spiegel" noch die wissenschaftliche Fachpublikation leistet: ein ständiges Flimmern der Wahrnehmung, eine nervöse Bereitschaft, mehr und mehr aufzunehmen, ohne auf Automatik zu schalten.

Kultur&Gespenster 3
Textem-Verlag, Hamburg
ISBN 978-3938801178
hat 416 Seiten, manche davon farbig, und kostet 12 Euro
www.kulturgespenster.de

2. Februar 2007

Die neuen Zeitungen

Deutsche Comiczeitungen
Gleich zwei neue Comiczeitungen haben sich jüngst in Deutschland gegründet: das von Berliner Zeichnern ins Leben gerufene Mamba, und das an der Hamburger Hochschule situierte wirwaren2000. Letztere Zeitung ist Ergebnis eines Zeichenkurses unter der Regie von Anke Feuchtenberger, und kann sich an seinem studentischen Zeichnerfundus gemessen mehr als sehen lassen; neben hervorragenden Zeichnungen von Marijpol verblüffen vor allem die Verfolgungsgeschichten von Martina Lenzin (Abb.unten: "Gogo & Quasi" von Martina Lenzin. Die beiden Protagonisten sind zwar eigentlich ständig auf der Flucht, gönnen sich aber wie zu sehen ist auch mal eine Pause).
Die erste Ausgabe der Comiczeitung Mamba wurde im Dezember als Beilage der Wochenzeitung Jungle World ausgeliefert und konnte demnach ein vergleichsweise grösseres Publikum erreichen. Die Liste der Teilnehmenden Zeichner liesst sich wie ein Who-is-who der deutschen Independent-Comicszene; neben Zeichnern wie Fil, Andreas Michalke, Jens Harder, Ulli Lust und Mawil finden sich hier auch Vertreter der jungen deutschen Szene, z.B. Arne Bellstorf und Leo Leowald. Leider kann das Endprodukt aber nicht so recht überzeugen; zu viele der Beiträge wirken etwas willkürlich nebeneinandergesetzt, man fragt sich welchen Sinn die Zusammenschau hat. Einzelne schöne Arbeiten wie zum Beispiel "Letzte Worte", eine Kollaboration von Christian Maiwald und Laureline, können das nicht ganz auffangen.
Für die zweite Ausgabe ist eine stärkere Aufteilung in feststehende Rubriken geplant, was der Publikation mehr Stringenz geben könnte.

Kuti, Zeitung aus Finnland

In einer anderen Liga spielt die finnischen Comiczeitung Kuti, von der soeben die zweite Ausgabe erschienen ist. Das von Kutikuti betriebene Projekt zeigt die ganze Bandbreite der lebendigen, mittlerweile sehr ins Fahrwasser von Fort Thunder, Paperrad und ähnlichen Helden der nordamerikanischen Trashbewegung geratenen finnischen Independent-Szene. Die Zeitung erscheint 4mal jährlich, wird umsonst in den grösseren Städten Finnlands verteilt, und hat gemessen an der finnischen Bevölkerungszahl mit momentan 5000, bald aber schon 10000 zirkulierenden Kopien eine nicht unbeträchtliche Verbreitung. "Es ist unsere Mission, den finnischen Lesern die von uns praktizierte, neue Art von Comics nahezubringen.", meint Tommi Musturi, der auch die wunderschöne Glömp-Anthologie editiert, "Wir wollen ein regelmässiges, sichtbares Forum schaffen für junge Künstler aus Finnland, aber auch für Gäste aus anderen Ländern." Wenn man bedenkt dass die meisten in Kuti veröffentlichten Arbeiten sich mit ihrem avantgardistischen Verweigerungsgestus der Lektüre auch manch gestandener Comicexperten entziehen, scheint das ziemlich hoch gegriffen. Allerdings ist der Output der finnischen Szene derzeit so permanent und gewaltsam, dass die pessimistische Rechnung am Ende vielleicht nicht so leicht aufgeht.
(Hier gezeigte Abbildungen: Ausschnitt aus dem Kuti-Cover von Benjamin Bergmann, darunter Bildzeile von Aapo Rapi, darunter Bildzeile von Tommi Musturi, unten ein Wolfsmensch der Kuti liesst)

Moki Diplomausstellung

Endlich das Studium abgeschlossen: Moki

Es sind neu entstandene Bilder zu sehen und ein Sekt kann geschlürft werden - allerdings sollte man möglichst unauffällig bleiben, denn die Ausstellung steht unter dem Motto: "to disappear completely".

Diplomausstellung der HfbK
Mittwoch, 21. Februar 2007: Eröffnung ab 19 Uhr
Donnerstag bis Sonntag (22.- 25. Februar) jeweils 14-20 Uhr geöffnet
Hochschule für bildende Künste Hamburg
Lerchenfeld 2
Mokis Bilder findet man im Raum 120
www.mioke.de