30. Juni 2006

Juli, Gespensterstunde


14. Juli: Amanda Vähämäki und Michelangelo Setola im Hinterconti
Amanda Vähämäki und Michelangelo Setola, beide Zeichner des Comickollektivs Canicola und im deutschsprachigen Raum bekannt als Gewinner des Fumetto Comicwettbewerbs sowie als Zeichner für Orang und electrocomics, bespielen die Hamburger Galerie Hinterconti mit freien Zeichnungen und verkaufen ihre Comics; der Eröffnungsabend wird musikalisch begeitet von DJ e_mol.
Hinterconti, Marktstrasse 40a, Hamburg, ab 20 Uhr.

15. Juli: Kultur und Gespenster Releaseparty im Kulturhaus 73
Volles und vor allem hochkarätiges Programm im umstrittenen Kulturhaus 73: zunächst liest die Berliner Schriftstellerin Kathrin Röggla, anschließend wird der Audiokünstler und Betreiber des Verlags supposé Klaus Sander ein Live-Hörstück zu Hubert Fichte vorführen. Natürlich gibt es auch Musik, und schließlich sind - neben Projektionen und sonstigem Spielkram - Bilder des Orang-Zeichners Sascha Hommer zu sehen.
Das Magazin Kultur und Gespenster gilt als äußerst vielversprechend, es lohnt sich einen Blick zu werfen auf die Internetpräsenz des Verlags.
Kulturhaus 73, Schulterblatt 73, Hamburg, ab 20 Uhr

Ausserdem gibt es zwei Gespenster-Termine in Berlin:
11. Juli 2006: "Kultur und Gespenster"-Präsentation mit Kathrin Röggla und Bernd Cailloux, Verbrecherversammlung, 20 Uhr, Festsaal Kreuzberg, Berlin
21. Juli 2006: Release-Party mit Thomas Meinecke und Jan Jelinek, NBI, 20 Uhr, Kulturbrauerei Berlin

27. Juni 2006

Bellstorf beim Tagesspiegel, Rickenbach im Züritipp

Mit regelmäßig erscheinenden One-pagern halten die Comics von Arne Bellstorf und Kati Rickenbach Einzug in deutsch-
sprachige Publikationen

Jeweils im Wochenrhythmus veröffentlicht der Tagesspiegel Comics von deutschsprachigen Autoren; den Anfang machte am 11. Juni Arne Bellstorf mit "Tiefe Wunden, lange Seufzer". Im schweizer Stadtmagazin Züritipp veröffentlicht Kati Rickenbach jede Woche heitere Episoden zum Thema "Zürich aus der Sicht einer Baslerin"; sie vertritt damit Mike van Audenhove, der aus gesundheitlichen Gründen pausiert.

25. Juni 2006

B.ü.L.b reloaded


Orang-Zeichnerin Anke Feuchtenberger hat sich mit einer Geschichte um ihre neue Figur Superträne an der neuen B.ü.L.b-Box beteiligt. Die Box ist gefüllt mit kleinen, zweifarbig bedruckten Minicomics und erhältlich über Mailorder.

20. Juni 2006

Ein Forum für die jungen Zeichner

Der Comicsalon 2006 macht Hoffnung auf eine nachhaltige Entwicklung der deutschen Szene

Der Comicsalon in Erlangen ist für die Comicgemeinde ein Ort, an dem viele Fäden zusammenlaufen. Neben zahlreichen Produkten, die auf dieses Datum hin erscheinen, ist der Salon auch ein wichtiges Experimentierfeld für junge, noch weitgehend unbekannte Zeichner, die im "jungen Forum", dem Comicseminar oder am Stand ihrer Verlage auf Tuchfühlung mit einem nicht unwesentlichen Teil der deutschen Leserschaft gehen können.

Dieses Jahr hatte sich der Comicsalon als inhaltlichen Schwerpunkt die einheimische Comicproduktion auf die Fahnen geschrieben, und was damit an die Oberfläche gespült, und nun vielerorts als "neue Generation" von Erzählern gehandelt wird, ist für Leser des Hamburger Magazin Orang größtenteils bekanntes Terrain. Orang-Herausgeber Sascha Hommer durfte sich über gute Verkaufszahlen seines bei Reprodukt erschienenen Debuts "Insekt" freuen, ebenso wie Arne Bellstorf allen Grund zur Freude hatte: ihm wurde dieses Jahr für sein 2005 bei Reprodukt erschienenes Album "acht, neun, zehn" der ICOM Independent Preis in der Kategorie Bester Independent Comic verliehen. Einige der Käufer am Stand von Reprodukt hatten Arbeiten der beiden Zeichner in der von Kai Pfeiffer kuratierten Ausstellung "Kleiner als das Leben, größer als die Realität" gesehen, die das große erzählerische Potenzial einer jungen deutschen Zeichnerszene präsentierte, darunter auch Arbeiten der Orang-Künstlerinnen Line Hoven und Kati Rickenbach.
Der Begleitband zur Ausstellung, die Erstausgabe des beim Berliner avant-verlag als Periodikum geplanten Flitter, bedient sich im Vorwort einer sanften Polemik, um einen Generationsbruch zwischen den, so Kai Pfeiffer, der "Bildenden Kunst" zugewandten Zeichnern der Avantgarde der 90er Jahre und den Erzählern der Jetztzeit zu behaupten.

Die ebenfalls aus Hamburg stammende Anthologie Spring hat sich mit ihrer dritten Ausgabe - eine solche Tendenz war von der ersten Ausgabe an erkennbar - fast gänzlich der Comic-Erzählung abgewandt. Ausser Ex-Orang-Künstlerin Claire Lenkova scheint es in dem ausschließlich von Frauen bespielten Sammelband keinen Träger mehr zu geben für die comictypisch dichte Verschränkung von Text und Bild, die je nach persönlicher Leseerfahrung unnötige Konvention oder "Mehrwert für das Geschichtenerzählen" (Jens Balzer) darstellt.

Ganz der Erforschung des genannten Mehrwerts hat sich dagegen die neue Ausgabe des traditionsreichen Magazins Strapazin verschrieben; mit ihrer Ausgabe 83 wenden sich die Schweizer Zeichner und Gestalter, darunter Orang-Künstlerin Kati Rickenbach, dem OuBaPotischen Comic zu, also dem Erzählen unter generativen Zwängen. Offenbar ist das OuBaPotische Experiment gescheitert, denn warum sonst zeitigt die Methode seit Erscheinen des Schreibheftes Nr.51 im Jahr 1998 keine wesentlich neuen Ergebnisse?

Die bei Spring und Orang gleichermassen aktive Malerin Moki (von ihr ist auch das abgebildete Spring-Cover) wurde beim diesjährigen Comicsalon ebenfalls mit einem Preis bedacht: für ihre in Panik Elektro 3 abgedruckte Geschichte "Borderland" wurde ihr der ICOM Independent Preis in der Kategorie Herausragendes Artwork verliehen. Einen weiteren ICOM Independent Preis erhielt Ulli Lust für ihr Online-Projekt electrocomics.com, bei dem u. a. Kati Rickenbach und Michelangelo Setola mitwirken.

"Durch Comic-Deutschland ist ein Ruck gegangen - ungeahnte Talente in Erlangen", titelt die Süddeutsche Zeitung am 18.06. - das ist natürlich ein wenig rüpelhaft mit dem "Ruck", aber im Grunde geben wir dem Autor recht.

12. Juni 2006

Fortsetzung folgt

Reprodukt und Kiki Post veröffentlichen Autorencomics von ORANG-Zeichnern
Nach dem bereits im September 2005 veröffentlichten Band "acht, neun, zehn" von Arne Bellstorf sind nun auch "Insekt" von Sascha Hommer bei Reprodukt und "Stadt der Tiere" von Gregor Wiggert bei Kiki Post erschienen. In Vorbereitung ist bei Reprodukt derzeit die graphic novel "Liebe schaut weg" von Line Hoven.

Food issue, russian issue, comic issue...

Das Ekel-Magazin Vice hat sich an eine Comic-Ausgabe gewagt.
Was im Vorfeld mit großer Skepsis bedacht wurde, hat sich nun doch gelohnt. Das Niveau des Heftes ist sehr hoch, neben altgedienten Stars wie Al Jaffee, Robert Crumb oder Raymond Pettibon hat es auch einige der wichtigsten Vertreter des neuen amerikanischen Underground in das skandalheischende Umsonstmagazin verschlagen, sowie den hierzulande aus ORANG bekannten Till Thomas. Nervig sind die teils stümperhaften Beiträge von Zeichnern die hier ein Forum bekommen weil sie zufällig in angesagten Bands spielen; aber was wäre eine Vice-Ausgabe, über die man sich nicht auch ausgiebig ärgern darf. In diesem Sinne ist als bester Beitrag zu nennen: Seite 71, von Ben Cho; vollkommen ekelhaft, vor allem wenn man sich dazu herablässt den Text unter den Bildern zu lesen, würg!